Michael hat sich Hilfe geholt

Michael hatte in früher Kindheit immer wieder Auseinandersetzungen mit Ausländern. Nachdem er überall mit seinen Problemen abgewiesen worden war, schloss er sich einer rechten „Kameradschaft“ an. Er fand ein Hass- und Gewaltdenken, das ihm später hohl und unsinnig vorkam. Michael berichtet:

Schon in der Grundschule hatte ich viele Probleme mit Ausländern. Sie kamen in Gruppen, zockten unsere Handys und machten uns fertig, wo sie nur konnten. Von Lehrern und Politikern bekam ich nur Absagen, meine Vorwürfe seien rassistisch. Rassistisch? Na gut, dann bin ich eben Rassist. Ein logischer Gedanke für einen gerade mal 12-jährigen.

Aus einfacher Ablehnung auf Einzelpersonen wurde über die Zeit, in der man Leute die ähnlich dachten um sich sammelte, kollektiver Hass. Es waren schon früh „die Ausländer“. Und umso mehr man sich abschottete, umso mehr radikalisierte sich das Vokabular.

Ich war niemals Skinhead oder hatte eine Affinität zu Parteien. Meistens mied ich die NPD und hielt nicht viel von „Scheitelträgern“. Wir gründeten also neue Kameradschaften, nach Vorbild der linken Szene. Weite Hosen, Hip Hop, Kappe auf und Rechtsrock im MP3-Player. Wir organisierten uns, versuchten das Ganze möglich autonom nach außen wirken zu lassen. Aber mit den Jahren wurden die Hierarchien strenger und härter. Von der Schulhofauseinandersetzung ging es zum Vortrag über das Parteiprogramm der NSDAP.

Irgendwann habe ich gesehen, dass diese Szene keine wirklichen Ziele verfolgt. Sie wollte nichts besser machen. Es ging um die interne Auslebung von Hass und Gewaltdenken. Demonstrationen dienen dem Spaß und dem inneren Zusammenhalt, Wahlen der Erschließung finanzieller Ressourcen. An ernsthafte Arbeit dachte man nie. Also entfernte ich mich weiter und weiter und bekam immer weitere Blicke über den eigenen Tellerrand.

Nach und nach widerlegte ich meine vorigen Gedanken mit positiven Erlebnissen. Gespräche über die Zeit halfen und helfen mir das alles zu verarbeiten. Hass ist nicht immer der beste Ratgeber und die Pauschalisierung von Ethnien ist Unsinn. Ich bin auch heute nicht mit allem zufrieden, was hier überall passiert. Ich bin immer noch ein politischer Mensch. Aber die neue Botschaften, die vielen verschiedenen Meinungen die mich umgeben, helfen mir diese Probleme besser einzuordnen. Dabei helfen mir vor allem die Gespräche mit dem Aussteigerprogramm.

Ich habe niemanden verraten, erst recht nicht mich selbst. Ich bin gewachsen und habe gelernt. Zum Glück bevor der hasserfüllte Kampf für eine sowieso sinnlose Szene mich meine Arbeit und Familie gekostet hat.