Christian ist frustriert

Christian hat hohe Ideale und wahre Freundschaft in der Szene gesucht – gefunden hat er Neid, Gier, Selbstsucht, Misstrauen…und nicht einen wirklichen Freund. Sein Fazit:

Volksgemeinschaft, Ehre und Treue – das ist das Selbstbild der Szene. In Wirklichkeit herrscht Neid, Gier und Selbstsucht. Freundschaften, wie wir sie im eigentlichen Sinne kennen, gibt es dort nicht. „Der beste Freund“ kann von heute auf morgen der „Feind“ werden. Vielleicht weil er zu lange beim Verhör bei der Polizei gesessen hat oder eine falsche Bemerkung über einen NS-Politiker geäußert hat.

Als Mitglied einer solchen selbsternannten „Gemeinschaft“, die mittlerweile mich als Außenstehender eher an eine Sekte erinnert, steht man selber ständig unter Druck und muss sein eigenes Handeln hinterfragen, um nicht bei den „Kameraden“ in Missgunst zu verfallen. Das führt dazu, dass man letztendlich niemanden traut und zwischenmenschliche Beziehungen eher eine Belastung darstellen. Der „beste Kamerad“ vielleicht morgen schon ein Aussteiger? Alles möglich, alles schon dagewesen – deshalb erzählt man selbst den engsten Personen nicht mal wo man arbeitet. Der WG Partner, mit dem man sich das Bad morgens teilt, über sämtliche persönliche Dinge spricht, weiß es nicht – normale Kameraden erst recht nicht. Ständig muss man also aufpassen, dass man sich nicht verquatscht. Dieses Schutzschild, was man sich dort aufbaut, ist am Ende nur eine Last.

Gleichzeitig geht man hingegen auf die Straße, um für die „Freiheit“ zu demonstrieren. Die „Freiheit des deutschen Volkes“, die „Meinungsfreiheit“ in diesem Lande – auf der Strecke bleibt hingegen die persönliche Freiheit. Widersprüche werden komplett ausgeblendet, man lebt wahrlich in seiner eigenen Welt. „Mehr Meinungsfreiheit wagen“ hieß das Motto einer Demonstration, auf der Abreise verprügelte der Mob dann 5 Personen, da sie einen „falschen“ Button trugen. Es ist also nur die „eigene“ Freiheit der Szene gemeint. Paragraphen wie der 130 sollen abgeschafft werden, mit einer allgemeinen Meinungsfreiheit hat das allerdings nichts zu tun. Am liebsten würde man viele Gegner sowieso auf den Marktplatz stellen und erschießen. Das sind wahrlich keine Horrorszenarien, sondern werden selbst von führenden und durchaus intelligenten „Führern“ der Szene so geäußert. Die „Todesstrafe für Kinderschänder“ soll nur der Anfang sein, am Ende bleibt nur der Nationalsozialist über.

Die propagierte Volksgemeinschaft ist im Nachhinein betrachtet blanker Hohn. Diese „Eliten“ des deutschen Volkes schaffen es ja nicht einmal 5000 – 6000 „Kameraden“ unter einen Hut zu bringen, wie sollte das also nach der „Machtergreifung“ mit mehreren Millionen gelingen, was anscheinend nicht mal in einer kleinen Randszene mit vielleicht 20 – 30 Mitgliedern je Stadt gelingt?

Man könnte diese Aufzählung noch stundenlang fortsetzen, schließlich weiß ich wovon ich spreche – ich war mehrere Jahre lang Teil dieser sektenähnlichen „Gemeinschaft“. Je mehr Zeit vergeht, umso weniger kann man das selbst verstehen. Zusammenfassend würde ich sagen, dass ich mehrere Jahre meines Lebens in einer fundamentalistischen Sekte verbracht habe, die in ihrer eigenen kleinen Welt lebt und vor dem einzelnen Menschenleben keinerlei Respekt hat. Hass hat noch nie zu etwas Gutem geführt.